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// Mitten in der W├╝ste

Die Sprengisandur ist wegen ihrer Witterungsumschw├╝nge gef├╝rchtet. Das bekam ich auch recht deutlich zu sp├╝ren: ab dem zweiten Tag hatte ich keine trockenen Klamotten mehr.

Es begann in Str├Âmen zu regnen, und dieses schlechte Wetter sollte noch einige Tage anhalten.

F├╝r eine W├╝ste ist die Sprengisandur also erstaunlich na├č. So brauchte ich mir immerhin keine Sorgen darum machen, meine T├╝tensuppe trocken zu essen ­čśë

Alles in allem kam ich jedoch gut voran: tats├Ąchlich habe ich f├╝r die Durchquerung von Island vier Tage ab Landmannalaugur gebraucht.
Zum einen war es dort so still (und zwar wirklich totenstill), da├č ich ganz froh war, wenigstens das Knirschen meiner Schritte zu h├Âren. Die Stille kommt irgendwo kurz nach dem schalltoten Raum, den man vielleicht von Ohren├Ąrzten kennt. Nur eben mit Himmel und viel schwarzen Steinen – eine unendliche Weite.

Dies hatte dann den Nebeneffekt, da├č ich hier schon fast Streckenrekorde aufgestellt habe: im Schnitt 40 – 50km am Tag.

Viele Sagen ranken sich um die Sprengisandur: es soll dort Trolle und b├Âse Geister geben. Im 18. Jahrhundert ging dort niemand mehr hin – au├čer Ge├Ąchtete, die sicher auch zu einigen Horrorgeschichten beigetragen haben.

Ich kann mir das alles gut vorstellen – sogar die Trolle und b├Âsen Geister. In dieser Gegend ist es derma├čen einsam und dazu noch die unvorstellbare Totenstille, da├č die Sinne einem gerne mal einen Streich spielen.

Hat sich da hinten was lautlos bewegt?
Ein paar Kilometer sp├Ąter bemerkte ich eine reglose Gestalt in der nebligen Landschaft. Gedrungen, lauernd kauerte sie da und beim N├Ąherkommen erkannte ich einen riesigen Vogelschnabel an der ansonsten menschlich anmutenden Gestalt.

Nur ein merkw├╝rdig geformter Stein: Lava, vor Urzeiten willk├╝rlich in die Landschaft geworfen und im Laufe der Jahrhunderte zu einer teuflischen Fratze erodiert.

Trolle und b├Âse Geister? Ja, gibt es – in dieser Stille und Einsamkeit, bei den tiefh├Ąngenden Wolken l├Ąuft die Phantasie Amok.

Hier noch die letzten Fotos bei akzeptablen Wetter – die Reste der winterlichen Schneemassen an einem der zahlreichen Schmelzwasserb├Ąche, die ich durchqueren durfte (├╝brigens eine gute Gelegenheit, den Kreislauf in Schwung zu bringen. So Kneipbecken haben was…)

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// Spreng die Sanduhr

Isl├Ąndisch ist ja schon eine “gew├Âhnungsbed├╝rftige” Sprache. Lesen geht zwar einigerma├čen, jedenfalls kurze Texte, da dem Schwedischen oft nicht un├Ąhnlich. Aber f├╝r mittellange Zeitungsartikel reicht das dann doch nur m├╝hsam – und St├Ądtenamen habe ich ziemlich schnell vergessen – die klingen alle irgendwie ├Ąhnlich.
Also mu├čten Eselsbr├╝cken her: aus Sprengisandur wurde dann eben “Spreng die Sanduhr”. War in dem Fall aber eher witzlos, die Sprengisandur ist eine ziemlich gro├če W├╝ste mitten in Island. Kann man also gar nicht verfehlen. Ehe man sich versieht, steht man schon mittendrin.

Wie es sich f├╝r eine anst├Ąndige W├╝ste geh├Ârt, beginnt sie mit Hinweisschildern, da├č das alles ganz doll gef├Ąhrlich ist und man nur mit dem Jeep da reinfahren sollte:

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Ein paar Touris halten sich da nicht dran, und man sieht teilweise noch die Spuren von einigen Pannen: Anh├Ąnger mit Achsbruch, geschrottete Autos oder ein Abschleppdienst kommt einem entgegen.

Wenn man diese Mut machenden Szenen hinter sich gelassen hat, hat man eine tolle Aussicht auf den Vatnaj├Âkull und den Hofsj├Âkull nachdem man einige Zeit durch eine totenstille Landschaft gelaufen ist (die Fotos hier haben alle wieder Originalton).

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Die Sprengisandur beginnt erst nach ca. 50 km Fu├čmarsch durch die W├╝ste und so kommt man nach etwa 30 km noch einem Hinweisschild vorbei. Das einzige Verkehrsschild im Umkreis von 50 km in einer ebenen Landschaft und irgendeiner hat es wohl geschafft, dagegen zu fahren :mrgreen:

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// Der Vorhof zur H├Âlle

“Der Vorhof zur H├Âlle” – so wurde Landmannalaugur angesichts des Schwefelgeruchs, der Dampfschwaden und seismischer Aktivit├Ąt von einer Reiseleiterin beschrieben.

Mehr als einmal bewegte sich die Ger├Âllschicht – ein unangenehmes Ger├Ąusch, wenn tausende von kleinen Steinchen von oben herabrollen. Das ist nun nicht wirklich gef├Ąhrlich, die Ersch├╝tterungen der St├Ąrke 1 auf der Richterskala sp├╝rt man nicht einmal im Liegen. Aber: die Erde bewegt sich in Island. Das wird einem an manchen Orten immer wieder bewu├čt.

Bewu├čt wurde mir jedoch wesentlich deutlicher ein anderes Rumoren: in meinem Darm. Zwiebelsuppe w├Ąhrend so einer Tour zu essen, ist eine richtig beschissene Idee. Das gibt Flatulenzen, die sich gewaschen haben. Jeder Furz stinkt wie ein jahrhundertealter Zwiebelkeller.

Bl├Âderweise ist der Landmannalaugur eine touristische Attraktion, will hei├čen: ├╝berlaufen. Unbemerkt pupsen geht nicht.
Zum Gl├╝ck gibt es ja auch chinesische Reisegruppen. Die schnattern viel und laut.

Ich stand also zwischen einer deutschen und einer chinesischen Reisegruppe, als der Druck in meinen Eingeweiden sehr, sehr gro├č wurde.
Ich lie├č einen fahren, als die Chinesen gerade besonders laut losschnatterten. Es war nichts zu h├Âren.

Gl├╝ck gehabt.

Nahezu zeitgleich bemerkte die Reiseleiterin der deutschen Reisegruppe: “… Hier haben Sie also einen Eindruck, wie es im Vorhof der H├Âlle riecht.”

“Ich finde, es riecht nach Zwiebel.” widersprach ein Tourist.

Andere deutsche Touristen stimmten zu.

Die Reiseleiterin war verwirrt, mu├čte den Touristen aber schlie├člich Recht geben: So etwas habe es noch nie gegeben und das sei v├Âllig neu.

Vor meinem inneren Auge sah ich jede Menge Geologen und Vulkanologen am n├Ąchsten Tag mit allerlei Me├čger├Ąten anreisen, um dem omin├Âsen Zwiebelgeruch zu ergr├╝nden.

Ich entfernte mich unauff├Ąllig, um einige Fotos zu machen und beschlo├č, die restlichen Zwiebelsuppe-T├╝ten auf dem Campingplatz der Allgemeinheit zur Verf├╝gung zu stellen.
Die Vulkanologen sollen ja nicht umsonst anreisen….

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// Wie unbedeutend die Menschen doch sind….

Schon die endlosen Weiten Gr├Ânlands zeigten mir ziemlich eindrucksvoll, wie klein und unbedeutend wir Menschen doch eigentlich sind.
Noch bewu├čter wurde mir das in Island. Witzigerweise an dem Tag, an dem ich w├Ąhrend meines gesamten Urlaubes am meisten Menschen gesehen habe.

Landmannalaugur ist wohl so ziemlich der ├╝berlaufenste Ort in ganz Island.

Es gab zwar Stellen, an denen in unmittelbarer N├Ąhe keine Menschenseele war – ins Foto gelaufen sind mir dann aber doch mit sch├Âner Regelm├Ą├čigkeit einige Touristen.
Macht in diesem Fall ausnahmsweise gar nix – ist n├Ąmlich ein sch├Âner Gr├Â├čenvergleich ­čśë

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// Sandbilder

Kennt Ihr diese Sandbilder, die auf Weihnachtsm├Ąrkten o.├Ą. gerne verkauft werden? Das sind die Dinger, wo bunter Sand in einer Fl├╝ssigkeit rumschwimmt und je nachdem wierum man das Bild dreht, entstehen neue Muster.

Gef├Ąllt mir.

In Island kann man in solchen Sandbildern sogar rumlaufen.

Einen Kopfstand in dieser Sandw├╝ste ├Ąndert schon ganz sch├Ân die Perspektive.

Hier sind die Fotos. Falls es der Grafikkartentreiber zul├Ą├čt: dr├╝ckt mal gleichzeitig [Strg] + [Alt] + [Pfeiltaste] – damit kann man die Ansicht drehen.
Die nachfolgenden Fotos kennen kein “oben” oder “unten”:

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